Nachhaltigkeitsberichterstattung: aufwendige Pflicht oder Chance?

Maren Boots, DHBW Ravensburg
Bild: BBAG MG&UK
Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde: ob in Bezug auf Ressourcen, unsere Umwelt oder die Wirtschaft. Aber seit geraumer Zeit rückt sie vor allem im Hinblick auf unternehmerische Tätigkeiten in den Fokus. CSR heißt es allerdings auf neudeutsch, also Corporate Social Responsibility. Obwohl dieser Name vermuten lässt, dass es eine Art Trend ist und er – wie jeder andere auch – über kurz oder lang wieder verschwindet, wird der „Nachhaltigkeitstrend“ immer stärker. Kaum zu glauben also, dass die Global Reporting Initiative bereits 1999 die erste Fassung ihrer Leitlinien für die Nachhaltigkeitsberichterstattung veröffentlichte und sich somit der Begriff Nachhaltigkeit verfestigte, bevor die EU den Anstoß für CSR gab.
 
Seit Anfang des Jahres 2018 sind kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Arbeitnehmern dazu verpflichtet, eine Art „Nichtfinanzielle Erklärung“ in den Lagebericht aufzunehmen. Das bedeutet, sie müssen ihre Maßnahmen darlegen, wie sie in der Vergangenheit und in Zukunft Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange fördern und dies mit gewissen Kennzahlen belegen. Orientieren können sich diese Unternehmen am vorher erwähnten Leitfaden des GRI, der laufend aktualisiert und erneuert wird.

Genug von den Fakten – bringt das denn wirklich was?

Aber bringt das den Unternehmen auch etwas? Ja, definitiv! Auch wenn man sich als Unternehmen vorher noch nicht wirklich mit Nachhaltigkeitsreporting beschäftigt hat, helfen die Leitlinien systematisch an das Thema heranzugehen und einen Grundstein für etwaige Umweltmaßnahmen zu legen. Jedes Unternehmen hat eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und seiner Stakeholder. Transparent darüber berichten und die eigenen Maßnahmen offen legen zu müssen, schärft das Bewusstsein des Unternehmens für das eigene Handeln und führt gegebenenfalls dazu, sich eingehender mit ökologischen und sozialen Aspekten zu beschäftigen. Denn dies wird heutzutage vermehrt von allen Stakeholdern wie Kunden, Geschäftspartnern oder auch potenziellen Mitarbeitern gefordert. Eine offene Berichterstattung erhöht somit die Glaubwürdigkeit, die Reputation des Unternehmens und macht es zum attraktiven Arbeitgeber.

Verbesserung der Unternehmenskultur

Doch Nachhaltigkeitsberichterstattug stärkt nicht nur die Sichtweise von außen auf das Unternehmen, sondern hat auch positive interne Effekte: die interne Kommunikation, das Betriebsklima und die Unternehmenskultur werden verbessert. Wenn dieses Thema abteilungsübergreifend diskutiert wird und in der obersten Geschäftsebene verankert ist, werden alle Mitarbeiter, vom Angestellten bis zur Führungsebene, für das Thema sensibilisiert. Ein guter und ausgewogener Bericht, der auch über Schwachstellen berichtet und eine Risikoanalyse mit einbezieht, erhöht die Mitarbeitermotivation und –zufriedenheit und hilft ihnen sich mit dem Unternehmen zu identifizieren.

SMART(e) Ziele

Nachhaltigkeitsberichterstattung hat zudem noch weitere positive Effekte: Durch die Formulierung von selbstgesetzten SMART-Zielen, die bis zu einem festgelegten Zeitpunkt erreicht werden sollen, wird dem Unternehmen eine Orientierungshilfe gegeben. Der Bericht dient dabei als Kontrollinstrument, die eigenen Leistungen zu überprüfen und langfristig Veränderungen anzustreben.
 
Deshalb profitieren nicht nur große, kapitalmarktorientierte Unternehmen vom CSR-Reporting, sondern auch mittelständische Unternehmen sollten sich um eine Berichterstattung bemühen.
Ja, es ist eine aufwendige Pflicht, aber noch viel mehr eine Chance sowohl die internen Prozesse zu verbessern als auch das Image aufzupolieren.
Studentische Profis
Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) im idyllischen Ravensburg bietet mit einem voll ausgestatteten Fernseh- und Hörfunkstudio optimale Möglichkeiten, um praxisnah und berufsbegleitend zu studieren. Im Wintersemester 2018/2019 besuchten die Studentinnen und Studenten im Studiengang »Medien- und Kommunikationswirtschaft/Unternehmenskommunikation und Journalismus« den Kursus »Investor Relations/Börsen-Kommunikation«. Kursleiter Ulrich Kirstein, Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München, gab den Kursteilnehmern die Aufgabe, sich Gedanken zum Thema "Nachhaltigkeit, nachhaltiges Investieren" zu machen. Dabei kamen höchst unterschiedliche Beiträge, die mal mehr, mal weniger mit dem Börsengeschehen zu tun haben, zusammen - Vorgaben gab es nicht.
Die Studentinnen und Studenten sind, wenn sie nicht in Ravensburg studieren, bei Unternehmen, Pressebüros oder Verlagen tätig. Die Artikel sollen in unregelmäßigen Abständen in den nächsten Wochen veröffentlicht.