Genossenschaftsbanken Bayern trotzen dem Niedrigzinsumfeld

Ulrich Kirstein
Der Vorstand des GVB: Dr. Jürgen Gros (Vorsitzender) und Dr. Alexander Büchel
Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken haben 2018 ein "ordentliches Wachstumsjahr" hingelegt, wie GVB-Präsident Dr. Jürgen Gros den Geschäftsverlauf kommentierte. Das Wachstum spiegelt sich in der addierten Bilanzsumme der 236 bayerischen Institute wider, die um 4,7 Prozent auf 167,6 Mrd. Euro gesteigert werden konnte. Verantwortlich für den Erfolgt machte Gros nicht nur die eigene Leistung der Institute, sondern auch die gute Konjunkturlage. "Insbesondere der Mittelstand hat investiert und entsprechend Kredite abgerufen. Die Sparer legten bei ihren genossenschaftlichen Hausbanken mehr Einlagen als in der Vergangenheit auf die hohe Kante", so Gros.

Mehr Einlagen und mehr Kredite

Auch wenn Banken und Finanzinstitute mit Blick auf Negativzinsen durch die EZB Kundengeldern in der Regel skeptisch gegenüberstehen, freute sich Gros über die deutliche Zunahme. Um 4,8 Prozent auf 130,1 Mrd. Euro nahmen die Kundengelder 2018 zu - bei Partnern der Volks- und Raiffeisenbanken wurden noch einmal 79 Mrd. Euro angelegt. Das beweise das hohe Vertrauen der Kunden in die genossenschaftlichen Regionalbanken und sei ja überdies Voraussetzung, um Kredite an Unternehmen und Privatleute auszugeben. Auch hier konnten sich die Genossenschaftsbanken über eine deutliche Zunahme des Kreditgeschäftes freuen: Insgesamt kletterte das Kreditvolumen um 6,1 Prozent auf 102,4 Mrd. Euro, wobei Gros darauf hinwies, dass immerhin 12 Prozent des Volumens getilgt wurden und deshalb sogar 18 Prozent mehr neu ausgegeben wurden. Bei den Unternehmen belief sich die Zunahme überproportional bei 7,6 Prozent und verteilte sich auf alle Branchen gleichermaßen. "Mit ihrem Kredit- und Einlagenwachstum knüpfen Bayerns Genossenschaftsbanken an die erfolgreiche Geschäftsentwicklung der vergangenen zehn Jahre an“, sagte Gros dazu und wies darauf hin, dass die Genossenschaftsbanken ein "fester und unverzichtbarer Partner von Mittelstand und Privathaushalten in Bayern seien".

Was die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern ausmacht

Sinkendes Zinsergebnis

Aber auch die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken konnten sich, wie die Privatbanken und Sparkassen, nicht dem Niedrigzinsumfeld entziehen. Allerdings schafften sie es 2018 noch, den um 57 Mio. Euro auf 2,956 Mrd. Euro gesunkenen Zinsüberschuss durch eine Zunahme des Provisionsüberschusses um 64 Mio. Euro auf 1,094 Mrd. Euro zu kompensieren. Bei fast gleichbleibender Risikovorsorge und einer geringen Zunahme der Betriebskosten war deshalb für das um 240 Mio. Euro niedrigere Vorsteuerergebnis in Höhe von insgesamt 1,241 Mrd. Euro ausschließlich die niedriger bewerteten Wertpapiere. Wobei, so Gros, die Genossenschaftsbanken hauptsächlich in Anleihen und Rentenfonds investiert seien, der Aktienanteil liege bei nur 1 Prozent. 

Das Ergebnis "normalisiert" sich

„Bayerns Kreditgenossenschaften haben unter teils schwierigen Rahmenbedingungen einen respektablen Gewinn erwirtschaftet“, betonte Gros deshalb. „Die Ergebnisentwicklung stellt für die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken nach dem sehr guten Vorjahr eine Rückkehr zur Normalität dar.“ In Relation zur Bilanzsumme liegt der Gewinn im 20-Jahres-Durchschnitt.
 
Eine neue Bestmarke und damit einen Beweis für ihre Solidität schafften die Kreditgenossenschaften bei der Kapitalausstattung. So steigerten sie die harte Kernkapitalquote, die sich um 0,3 Prozentpunkte auf beachtliche 15,7 Prozent zum Jahresende verbesserte. „Die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken zählen damit weiterhin zu den stabilsten Banken Europas“, stellte Gros fest.
 
Für das laufende Jahr sind die Volksbanken und Raiffeisenbanken trotz der eingetrübten Konjunkturaussichten zuversichtlich, schließlich gehen sie immer noch von Wachstum aus. „Die ersten Monate sind ordentlich angelaufen“, sagte der Verbandspräsident. Der GVB rechnet 2019 mit fortgesetztem, aber weniger temporeichem Wachstum im Kredit- und Einlagengeschäft als 2018. Eine baldige Zinswende seitens der EZB kann Gros nicht erkennen, doch hält er seine Institute für ausreichend gewappnet, diese Durststrecke auch noch weiterhin durchzuhalten.